Welterbe ohne Wert

Mitte Juli 2011 hat die bayerische Staatsregierung der Diskussion um einen Buchenwald-Nationalpark im Steigerwald ein jähes Ende bereitet. Seit 2007, als der Bund Naturschutz in Bayern e. V. erste Pläne für dieses Schutzgebiet veröffentlichte, schlägt die extrem kontrovers und von Nationalparkgegnern meist sehr unsachlich geführte Debatte hohe Wellen in der Region. Mit dem Beschluss des Kabinetts in München haben sich wieder einmal die notorischen Naturschutz-Verhinderer mit ihrer Anti-Natur-Ideologie durchgesetzt. Mit der Münchener Entscheidung zeigen die regierungsverantwortlichen Politiker auch, was ihnen die Buchenwälder tatsächlich wert sind. Just wenige Wochen nach der Anerkennung fünf ausgewählter, deutscher Buchenwalsgebiete als "Weltnaturerbestätten" lässt die bayerische Regierung das Projekt "Nationalpark Steigerwald" platzen. Dabei gehört der Steigerwald zu den wertvollsten Buchenwaldgebieten, die wir in Deutschland noch haben, und Bayern zu den Bundesländern, die für den Schutz der Buchenwälder eine besondere Verantwortung tragen. Bayern nimmt nämlich den größten Anteil des deutschen Buchenwaldareals ein und kann mit 296.000 Hektar den größten rezenten Buchenbestand innerhalb Deutschlands vorweisen. Das Votum gegen den Steigerwald macht eines deutlich: Die Politik hat (nicht nur in Bayern) immer noch nicht begriffen, dass sie für ein uns anvertrautes Welterbe Verantwortung zu tragen hat. Verantwortung tragen heißt insbesondere unsere Buchenwälder so behandeln, dass sie ihre größtmögliche Vielfalt unversehrt bewahren können. In Deutschland ist das heute nur noch in wenigen Reservaten möglich, deren Flächen aber nicht ausreichen, um diese waldspezifische biologische Vielfalt komplett und auf Dauer zu sichern.

 

Was bietet nun die bayerische Staatsregierung als Alternative an? Im Gespräch ist ein "Nachhaltigkeitszentrum Wald". Was sich dahinter konkret verbirgt, ist nebulös und auf jeden Fall kein "Alleinstellungsmerkmal", das große Besuchermassen anziehen wird. Denn ein solches "Zentrum" könnte auch an anderer Stelle in jeder beliebigen Waldregion stehen und ähnliche Einrichtungen, in denen der Wald als Nutzobjekt dargestellt wird, gibt es bereits in anderen Ländern zuhauf. Der Verdacht liegt nahe, dass sich die bayerische Forstlobby ein neues, mit Steuergeldern gefördertes Ideologie-Zentrum schaffen will, das ihr eine kostenlose, öffentliche Werbeplattform bietet, eine schöne heile, grün lackierte Försterwelt anpreisend, während direkt vor der Eingangstür dieses Zentrums die letzten ungeschützten Buchenaltbstände im Steigerwald umgesägt werden. Wie dem auch sei: Das Beispiel Steigerwald macht einmal mehr deutlich, wo in der deutschen Waldpolitik zurzeit die Prioritäten gesetzt werden. Die Begründung der Politiker, keine Schutzgebiete gegen den Willen der örtlichen Bevölkerung auszuweisen, ist pseudo-demokratisches Gefasel und letztlich nur vorgeschoben. Tatsächlich geht es um die Durchsetzung knallharter wirtschaftlicher Interessen. Der Wald in Deutschland soll dabei noch viel intensiver genutzt werden. Da ist jede Schutzbestrebung nur ein unliebsamer Störfaktor!   

 

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